Keine Nachteile beim BAföG wegen Corona

Stand: 22.04.2020

Angesichts der aktuellen Ausnahmesituation hat Bundesministerin Karliczek im Interesse der BAföG-Geförderten schnell und unbürokratisch für Planungssicherheit und finanzielle Absicherung gesorgt. Das Bundesministerium hat gegenüber den für den BAföG-Vollzug zuständigen Bundesländern und ihren Ausbildungsförderungsämtern klargestellt, dass das BAföG in pandemiebedingten Fallkonstellationen weiterzuzahlen ist. Studierende, Schülerinnen und Schüler, die auf Leistungen nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG) angewiesen sind, sollen keine finanziellen Nachteile erleiden, wenn Unterrichts-/Lehrangebote an Ihrer Ausbildungsstätte wegen der COVID 19 Pandemie oder der Semesterbeginn insgesamt verschoben werden.

Die zuständigen Landesbehörden wurden daher angewiesen, alle bereits bewilligten Leistungen nach dem BAföG vorläufig weiter zu gewähren, wenn die Aufnahme oder Fortsetzung der Ausbildung vorübergehend unmöglich ist, weil der Präsenzunterricht/-Lehrbetrieb vorübergehend nicht stattfindet oder der Beginn des Sommersemesters 2020 ganz verschoben wurde.

Die nachfolgende Übersicht stellt die wichtigsten Informationen für die BAföG-Empfänger und Empfängerinnen zusammen. Zentrales Anliegen der pandemiebezogenen vorübergehenden Vorgaben des Bundes zum Gesetzesvollzug des BAföG in dieser Ausnahmesituation ist es, dass eigentlich Förderungsberechtigte sich wegen Ausbildungsstörungen in der aktuellen Situation keine zusätzlichen finanziellen Sorgen machen müssen.

Im Einzelnen:

  1. Die Zeiten pandemiebedingter Beschränkungen des Unterrichts-/Lehrangebots werden behandelt wie unterrichtsfreie bzw. vorlesungsfreie Zeiten im Sinne von § 15 Absatz 2 BAföG.
    Studienanfängerinnen und -anfänger, die zum Sommersemester 2020 ihre geplante Ausbildung nicht aufnehmen können, erhalten ihre Leistungen wie vorgesehen bereits ab dem Zeitpunkt, an dem die Vorlesungen jeweils regulär beginnen sollten.

    Soweit die Ausbildungsstätten den Lehr- und Ausbildungsbetrieb durch Online-Lernangebote  aufrechterhalten gilt: Auszubildende, die BAföG-Leistungen beziehen, sind im gleichen Umfang wie beim normalen Lehrbetrieb verpflichtet, entsprechend ihren Möglichkeiten von diesem Angebot Gebrauch zu machen und auf diese Weise ihre Ausbildung auch tatsächlich weiter zu betreiben.
  2. Die gleiche pragmatische Handhabung gilt auch bei der Förderung von Ausbildungen im Ausland, und zwar sowohl für Auszubildende, die sich bereits im Ausland aufhalten, wenn dort Präsenzunterrichts- oder -lehrangebote pandemiebedingt eingestellt werden, als auch wenn die Ausbildung im Ausland wegen Einreisebeschränkungen nicht rechtzeitig aufgenommen werden kann.
    1. BAföG-Förderungsberechtigten, die von pandemiebedingten Störungen des Unterrichts-/Lehrangebots im Präsenzbetrieb oder von einer pandemiebedingten Verschiebung des Semesterbeginns an der Schule oder Hochschule im Ausland betroffen sind, werden die BAföG-Leistungen bis auf weiteres im bisherigen Umfang (Auslands-BAföG) weitergewährt. Sofern die Auslandsausbildung erst später aufgenommen werden kann, erhalten sie Förderung ab dem Zeitpunkt des eigentlichen - planmäßigen – Beginns. Dies gilt unabhängig davon, ob sie in dem jeweiligen Zielstaat verbleiben oder zunächst nach Deutschland zurückkehren oder aufgrund von Einreisebestimmungen gar nicht in den geplanten Zielstaat der Ausbildung einreisen können. Allerdings bleiben alle Betroffenen während der Weiterförderung verpflichtet, an den von der jeweiligen ausländischen Ausbildungsstätte ggf. online zur Verfügung gestellten Lehrangeboten teilzunehmen.
    2. Schülerinnen, und Schüler, die ihre bewilligte Ausbildung im Ausland (Austauschjahr) nicht fortsetzen können und nach Deutschland zurückkehren, müssen ihre bisherige Schulausbildung zunächst im Inland fortsetzen bis geklärt ist, ob der Auslandsaufenthalt in demselben Schuljahr wie geplant wiederaufgenommen werden kann. Das Gleiche gilt, wenn ein Austauschjahr nicht zum geplanten Zeitpunkt begonnen werden kann und die Schülerinnen und Schüler deshalb in Deutschland bleiben. Im Interesse der Geförderten bedarf es ausnahmsweise keiner erneuten Antragstellung bei dem für die Inlandsausbildung zuständigen Amt für Ausbildungsförderung. Vielmehr gewährt das Auslandsamt die Förderung bis zum Ende des Schuljahres unverändert fort, längstens aber bis zum Ende des Bewilligungszeitraums.
    3. Für Studierende, die den Besuch einer im außereuropäischen Ausland gelegenen Ausbildungsstätte wegen der pandemiebedingten Störungen des Unterrichts-/Lehrangebots im Präsenzbetrieb an der Ausbildungsstätte oder wegen der Einreisebeschränkungen nicht plangemäß beginnen oder fortsetzen können, gelten die Regelungen zu b entsprechend (Auslandsförderung wird bis zum Ende des Semesters weiter gewährt).
    4. Solange Studierende trotz Einreisebeschränkungen oder Störungen des Unterrichts-/Lehrangebots im Präsenzbetrieb an einem alternativ angebotenen Onlinebetrieb der ausländischen Hochschule teilnehmen, führen sie ihre Auslandsausbildung förderungsrechtlich durch und erhalten plangemäß Auslandsförderung. Sobald sie eine mögliche Teilnahme am Online-Lehrangebot aber einstellen oder nicht nutzen, ist die Auslandsausbildung als unterbrochen bzw. abgebrochen zu behandeln und die Förderung einzustellen bzw. ggf. später zurückzufordern wie bei Abbrüchen einer Auslandsausbildung im regulären Präsenzbetrieb. Die spätere Aufnahme einer neuen Auslandsausbildung außerhalb der EU wäre in diesen Fällen dann ebenfalls nicht mehr förderungsfähig, weil es dafür an dem nach § 16 Abs. 1 S. 1 BAföG erforderlichen einzigen zusammenhängenden Zeitraum fehlen würde.
    5. Können die Auszubildenden, die eine Ausbildung im Ausland aufgenommen haben oder geplant hatten, diese pandemiebedingt nicht wie geplant vor Ort beenden bzw. aufnehmen, bleiben die bereits absolvierten Auslandszeiten bei der Inlandsausbildung längstens für ein Jahr unberücksichtigt, wirken sich also in diesem Umfang nicht negativ auf die Dauer des BAföG-Bezugs aus. Gleiches gilt für Zeiten, in denen die Auszubildenden die Ausbildung durch Wahrnehmung des Onlineangebotes der ausländischen Ausbildungsstätte weiterbetreiben. Wichtig ist bei alldem: Insgesamt können längstens Zeiten bis zu einem Jahr unberücksichtigt bleiben. § 5a Satz 4 BAföG bleibt unberührt.
    6. Die Vollzugsvorgaben aus 2. a. bis e. sind für die Dauer der inzwischen - für Touristen - ausgesprochenen weltweiten Reisewarnung des Auswärtigen Amtes auch auf Studierende anzuwenden, die aus Sorge um ihre Gesundheit ggf. bereits vor einer noch nicht erfolgten Unterbrechung oder Verschiebung des Lehrbetriebs an der ausländischen Hochschule im jeweiligen Zielstaat wieder nach Deutschland zurückkehren bzw. den Auslandsaufenthalt zunächst gar nicht aufnehmen.
      Auch diese Auszubildenden bleiben im Gegenzug verpflichtet, an einem etwaigen parallelen Onlineangebot ihrer ausländischen Ausbildungsstätte teilzunehmen. Wird in diesen Fällen ein paralleles Onlineangebot der ausländischen Ausbildungsstätte von Deutschland aus nicht wahrgenommen, gilt die Ausbildung als unterbrochen/abgebrochen und die Auslandsförderung ist einzustellen.
    7. Sofern Hochschulen im Ausland noch vor Ende des laufenden Sommersemesters ihren Vorlesungsbetrieb in Präsenzform wiederaufnehmen oder die Einreisebeschränkungen des Zielstaates aufgehoben wurden, können die bis dahin vorläufig weiter gewährten Auslandsförderungsleistungen nur fortgesetzt werden, wenn die betroffenen Studierenden ihre Ausbildung im Ausland unverzüglich wiederaufnehmen bzw. antreten.

      Der pauschale Reisekostenzuschuss kann für eine dann ggf. erforderlich werdende zweiten Hin- und Rückreise erneut gewährt werden.
    8. Liegt bei Wiederaufnahme des Hochschulbetriebes in dem jeweiligen ausländischen Staat im laufenden Sommersemester 2020 keine aktuelle Reisewarnung des Auswärtigen Amtes wegen des Coronavirus/Covid19 für den betreffenden ausländischen Staat mehr vor, entscheiden sich die Studierenden gleichwohl, die Ausbildung nicht mehr im Ausland fortsetzen zu wollen, gilt die Ausbildung ab diesem Zeitpunkt als abgebrochen.
    9. Wenn eine Auslandsausbildung entsprechend der vorgenannten Auslegungsvorgaben als abgebrochen anzusehen und eine nahtlose Fortsetzung als Inlandsausbildung noch während des angelaufenen Sommersemesters nicht möglich ist, kann auch bei entsprechender erneuter Antragstellung für eine Inlandsausbildung vor Beginn des Wintersemesters nur eine Überbrückungsförderung für bis zu zwei Monate über § 15b Abs. 2a BAföG in Betracht kommen, und dies auch nur, wenn zwischen dem Ende (Abbruch) der Auslandsausbildung und dem Beginn der Inlandsausbildung nicht länger als insgesamt vier Monate keine Ausbildungsstätte besucht wird. Die demnach in den Bewilligungszeitraum der anschließenden Inlandsausbildung einzubeziehende Überbrückungsförderung erfolgt also ausschließlich zu den für Inlandsförderung geltenden Konditionen.

    Sollten wegen der Corona-Krise Ausreiseverpflichtungen seitens eines ausländischen Staates verhängt werden, sind die hiervon betroffenen Auszubildenden ohne eigenen Entscheidungsspielraum nicht länger in der Lage, ihre Ausbildung im Ausland zu absolvieren. Sie sind insoweit förderungsrechtlich mit den von Einreisebeschränkungen betroffenen Auszubildenden gleich zu behandeln, die ihre Auslandsausbildung gar nicht erst aufnehmen können. Eine Förderung unter den bekannten pandemiebedingten Maßgaben zum BAföG-Vollzug ist daher möglich.

    Solange im Einzelfall kein konkreter Anlass zu Zweifeln besteht, darf jeweils unterstellt werden, dass die Auszubildenden im ureigenen Interesse ihre Ausbildung auch mit alternativen Angeboten als den Präsenzlehrveranstaltungen fortsetzen, um sie ohne unnötige Verzögerung abschließen zu können.

  3. Unvermeidbare pandemiebedingte Ausbildungsverzögerungen stellen einen schwerwiegenden Grund im Sinne des § 15 Abs. 3 Nr. 1 BAföG dar, die Förderung wird deshalb für eine angemessene Zeit über die Förderungshöchstdauer hinaus geleistet. Dies gilt auch, wenn sich z.B. die Prüfungen auf Zeiten nach der Regelstudienzeit verschieben. Nach § 48 Abs. 2 BAföG verschiebt sich ggf. auch der Vorlagetermin für Leistungsnachweise entsprechend nach hinten.
  4. Studierende, die Studienabschlusshilfe beziehen und aufgrund der Störungen des Lehrangebots im Präsenzbetrieb an ihrer Hochschule, der Verlegung des Vorlesungsbeginns oder aufgrund von Einreisebeschränkungen ihre Ausbildung nicht wie geplant innerhalb der Abschlusshilfedauer abschließen können, erhalten die Studienabschlusshilfe auch während der pandemiebedingten Einschränkungen weiter. Allerdings bleiben auch sie verpflichtet, ggf. am Online-Lehrangebot teilzunehmen und die Ausbildung zügig abzuschließen.
  5. Wer sich bereits in der Rückzahlungsphase zum Darlehensanteil an Förderungsleistungen nach dem BAföG befindet, kann einen Antrag auf Freistellung beim Bundesverwaltungsamt stellen, sofern das momentane Einkommen nicht mehr ausreicht, der Rückzahlungsverpflichtung nachzukommen. Dieser kann – wie ohnehin generell unabhängig von pandemiebedingten Einkommensrückgängen – auch online unter www.bafoegonline.bva.bund.de gestellt werden. Auch wer einen Bildungskredit gegenüber dem Bundesverwaltungsamt tilgt, kann unter den geltenden Voraussetzungen einen Antrag auf Stundung stellen.
  6. Sofern es im weiteren Verlauf der Corona-Pandemie dazu kommt, dass erforderliche Nachweise zum Erhalt von BAföG-Leistungen (bspw. Immatrikulationsbescheinigung; Leistungsnachweise gem. § 48 Abs. 1 BAföG) vom Auszubildenden nicht vorgelegt werden können, und dies in Umständen begründet ist, die vom Auszubildenden nicht zu vertreten sind (etwa weil auch der sonstige (Hoch-) Schulbetrieb eingeschränkt ist), steht dies einem Bezug von BAföG-Leistungen nicht entgegen.

    Dazu gilt im Einzelnen u.a. Folgendes:
    • Bescheinigung gem. § 9 Abs. 2 BAföG, Tz. 9.2.2. BAföGVwV:
      Sofern eine derartige Bescheinigung aus den o.g. Gründen nicht vorgelegt werden kann, ist eine Erklärung des Antragstellers darüber zu verlangen, dass er keinen Förderantrag bei einer anderen Leistungsstelle (etwa bei einem anderen BAföG-Amt oder im Hinblick auf SGB-Leistungen) gestellt hat.
    • Einkommenserklärung des Ehegatten / Lebenspartners / der Eltern des Antragstellers gem. § 24 Abs. 2 BAföG, Tz. 24.2.2 BAföGVwV:
      Es ist davon auszugehen, dass Einkommenserklärungen / -nachweise trotz der pandemiebedingten Einschränkungen weiter wie bisher erbracht werden können. Sollte dies aufgrund außergewöhnlicher Umstände (Risikogebiet; Verhängung von Ausgangssperren / Quarantäne; keine Möglichkeit der Übermittlung über elektronische Medien) nicht möglich sein, kann in diesem eng begrenzten Ausnahmefall auch eine Übermittlung der Daten durch den Antragsteller oder eine telefonische Übermittlung durch die betroffene Person (Ehegatte / Lebenspartner / Eltern) für zunächst ausreichend erachtet werden. In dem Falle muss aber nach Wegfall der besonderen Umstände unverzüglich eine Nachreichung der Erklärung (ggf. inkl. Nachweise) erfolgen.
    • Leistungsnachweise gem. § 48 Abs. 1 BAföG:
      Wenn die Nichtvorlage der nach § 48 Abs. 1 BAföG erforderlichen Leistungsnachweise darauf beruht, dass diese aufgrund Einschränkungen des Hochschulbetriebs nicht oder verzögert von der zuständigen Stelle ausgestellt werden konnten, ist dies für den Erhalt der BAföG-Leistung unschädlich. Das bedeutet zum einen, dass eine Leistung unter Vorbehalt gem. § 50 Abs. 4 BAföG auch bei – ausnahmsweiser – Nichtvorlage des Leistungsnachweises erfolgen kann. Zum anderen erfolgt auch keine Einstellung der Ausbildungsförderung gem. Tz. 48.1.2 S. 2 BAföGVwV.

      Um in den Genuss einer derartigen Weiterförderung zu gelangen, muss der Antragsteller entsprechend den o.a. Grundsätzen zur Vorlage der Immatrikulationsbescheinigung eine Erklärung abgeben, dass er die entsprechende Prüfungsleistung tatsächlich erbracht / bestanden hat.
    • Für den Fall, dass die – zu bescheinigende – Leistung aufgrund coronabedingten Ausfalls von Vorlesungen bzw. Verschiebung von Prüfungen tatsächlich nicht bzw. nicht rechtzeitig erbracht werden konnte, gilt die Regelung von Ziffer 3 (s. o.), d.h. der Vorlagetermin für Leistungsnachweise verschiebt sich gem. §§ 48 Abs. 2, 15 Abs. 3 Nr. 1 BAföG – wegen schwerwiegenden Grundes in Form der pandemiebedingten Ausbildungsunterbrechung – entsprechend nach hinten.
  7. Die Bundesregierung hat sich dafür ausgesprochen, den Hinzuverdienst von Auszubildenden aus allen systemrelevanten Branchen und Berufen – rückwirkend ab 1. März und für die Dauer der vom Deutschen Bundestag festgestellten aktuellen epidemischen Lage von nationaler Tragweite - komplett von der Anrechnung auf den Bedarf nach dem BAföG auszunehmen. Eine gesetzliche Regelung wird jedoch voraussichtlich erst im Mai erfolgen. Aus diesem Grunde sollen die nachfolgenden Regelungen vorerst nicht angewandt werden. Angezeigte zusätzliche Einkünfte aus pandemiebedingten Tätigkeiten sollen erst geprüft werden, wenn eine gesetzliche Änderung in Kraft getreten ist. BAföG-Empfänger sollen solange unverändert weiter gefördert werden.

    Damit sich ein Engagement im Gesundheitswesen, in sozialen Einrichtungen oder in der Landwirtschaft für BAföG-Geförderte lohnt, ändern sich die Anrechnungsregeln im BAföG – jedoch ausschließlich für diesen Personenkreis (Artikel 5 des COVID-19-Krankenhaus-Entastungsgesetzes, BGBl. I, Nr. 14, S. 580 vom 27.03.2020). Nach bisher geltendem Recht wird die Gesamtsumme von Erwerbseinkommen auf alle Monate eines Bewilligungszeitraums auf das BAföG angerechnet. Die Anrechnung wirkt sich damit nicht nur auf Beschäftigungsmonate aus.

    Für BAföG-Geförderte, die sich in der Pandemie-Bekämpfung engagieren und dabei für nur wenige Monate ein vergleichsweise hohes Einkommen erzielen, könnte dies zum Wegfall ihres BAföG-Anspruchs für den gesamten Bewilligungszeitraum führen. Dies soll mit der jetzt verabschiedeten Regelung ausgeschlossen werden. BAföG-Geförderte behalten ihren Anspruch vor und nach einem vergüteten Engagement in der Pandemiebekämpfung. Eine Anrechnung auf das BAföG erfolgt allein in den Monaten, in denen BAföG-Geförderte ein Einkommen aus der Pandemiebekämpfung erzielen.

    Grundlage für die Bestimmung des Zeitraums des Einkommensbezugs bildet der vorzulegende Arbeits-/Anstellungsvertrag. Auf den eigentlichen Zufluss des Einkommens soll in diesen besonderen Fällen ausnahmsweise nicht abgestellt werden.

    Beispiele:

    Fall 1: Hannah (23 Jahre alt, Medizinstudentin im 6. Semester)

    Hannah studiert Medizin im 6. Semester und erhält im Bewilligungszeitraum Oktober 2019 bis September 2020 bislang - nach Berücksichtigung des anrechenbaren Einkommens ihrer Eltern - einen BAföG-Förderbetrag von monatlich 660,- €. Da der Hochschulbetrieb derzeit nur unregelmäßig stattfinden kann, arbeitet sie im Rahmen des BMG-Programms zur Bekämpfung der COVID 19 Pandemie ab März 2020 als Pflegehelferin im Universitätsklinikum und erhält hierfür eine monatliche Vergütung von 1.500,- € netto (also nach Abzug des zu berücksichtigenden monatlichen Arbeitnehmerpauschbetrages - ggfs. auch unter Berücksichtigung von für diesen Zeitraum geltend gemachten höheren Werbungskosten- sowie der Sozialpauschale aus § 21 Abs. 2 Nr. 1 BAföG). Der Anstellungsvertrag ist derzeit begrenzt bis Ende August 2020.

    Berechnung des BAföG-Anspruchs:

    Durch die Neuregelung in § 53 Absatz 2 BAföG wird das zusätzliche Einkommen von Hannah aus der Tätigkeit als Pflegehelferin erst ab dem Fördermonat März 2020 berücksichtigt.

    Für den Zeitraum Oktober 2019 bis Februar 2020 sowie für den Monat September 2020 bleibt der BAföG-Anspruch unverändert in Höhe von monatlich 660,- € bestehen.

    Lediglich in den Monaten März bis August 2020 wird der BAföG-Anspruch aufgrund des erzielten Netto-Einkommens von monatlich 1.500,- € entfallen, da - auch unter Berücksichtigung des allgemeinen Einkommensfreibetrages gemäß § 23 Absatz 1 Nummer 1 BAföG in Höhe von netto 290,- € monatlich - der BAföG-Förderbetrag von 660,- € niedriger als der anrechenbare Einkommensbetrag ist.

    Abwandlung:

    Hat Hannah im Fall 1 ohnehin bereits für die gesamte Dauer des Bewilligungszeitraums Einkünfte aus einem Mini-Job, die wegen des Anrechnungsfreibetrags von 290 € netto monatlich komplett anrechnungsfrei bleiben, und nimmt nun die vorübergehende Tätigkeit als Pflegehelferin zusätzlich auf (egal, ob unter Beibehaltung auch noch des Minijobs während dieser Zeit oder nicht), verändert sich das Anrechnungsergebnis nicht. Nur in den Monaten März bis August reduziert sich ihre BAföG-Förderung auf 0 €, davor und danach bleibt ihr Leistungsanspruch von 660,-€ bestehen.

    Fall 2: Alex (17 Jahre alt, Berufsfachschüler)

    Der auswärtig wohnende Berufsfachschüler Alex erhält im Bewilligungszeitraum August 2019 bis Juli 2020 – nach Berücksichtigung des anrechenbaren Einkommens seiner Eltern – einen BAföG-Förderbetrag von monatlich 528,- €.

    Da seine Berufsfachschule infolge der COVID 19 Pandemie derzeit geschlossen ist, will er in nächster Zeit als Erntehelfer in einem ortsansässigen landwirtschaftlichen Betrieb bei der gerade beginnenden Spargel- und Erdbeerernte helfen. Hierfür soll er im Zeitraum März bis Juli 2020 monatlich netto 600,- € Lohn erhalten.

    Berechnung des BAföG-Anspruchs:

    Durch die Neuregelung in § 53 Absatz 2 BAföG wird auch das zusätzliche Einkommen von Alex aus der Tätigkeit als Erntehelfer erst ab dem Fördermonat März 2020 berücksichtigt.

    Das in den Monaten März bis Juli 2020 anzurechnende Einkommen von 3.000,- € (also monatlich 600,- €) führt jedoch nicht zu einer vollständigen Kürzung des bisherigen Förderbetrags von 528,- €.

    Vielmehr ist zusätzlich noch der allgemeine Einkommensfreibetrag gemäß § 23 Absatz 1 Nummer 1 BAföG in Höhe von netto 290,- € monatlich zu berücksichtigen, so dass in den Monaten März bis Juli 2020 noch eine BAföG- Förderung in Höhe von monatlich 218,- € (528,- € abzgl. (600 -290 =310) gewährt werden kann.

    Abwandlung:

    Alex arbeitet im Laufe des gesamten Bewilligungszeitraums lediglich im Zeitraum vom 01.04 bis 30.04.2020 - neben seiner Ausbildung - als Erntehelfer und erhält für diesen Monat einen Lohn in Höhe von netto 2.000 €.

    Lösung:

    Da es nach bisherigem Recht bei gleichmäßiger Anrechnung auf sämtliche Monate des Bewilligungszeitraums zu keinerlei Anrechnung gekommen wäre, würde sich hier die neue Anrechnungsregelung gemäß § 53 Absatz 2 BAföG als nachteilig erweisen. Das ist ausdrücklich vom Gesetzgeber nicht gewollt und verstieße auch gegen den verfassungsrechtlich geschützten Vertrauensschutz. Daher ist in allen Fällen von pandemiebedingter vorübergehender Tätigkeiten innerhalb eines Bewilligungszeitraums eine Vergleichsberechnung gemäß § 53 Absatz 1 Satz 4 (i.V.m. § 22 Absatz 1) BAföG durchzuführen.

    Alex erhält dann also auch für den Monat April 2020 seine unveränderte BAföG-Förderung.

    Die neue Anrechnungsregelung in § 53 Absatz 2 BAföG soll analog auch für die Fälle gelten, in denen noch kein aktueller Bescheid vorliegt, sondern erst noch erstellt wird (z.B. Erstentscheidung für den Sommersemesterzeitraum 04/2020 – 03/2021).

  8. Zur Stellung eines Aktualisierungsantrags kann es – aufgrund coronabedingter Einschränkungen – ausnahmsweise als ausreichend angesehen werden, wenn zunächst (lediglich) eine schriftliche Versicherung oder auch, sofern dies lediglich möglich ist, eine telefonische Erklärung des Antragstellenden bzw. einer betroffenen Person (Ehegatte/Lebenspartner/Eltern) über die Einkommensverhältnisse abgegeben wird, in welcher die Vollständigkeit und Richtigkeit der Angaben bestätigt wird. Dafür müssen aber außergewöhnliche Umstände zusammentreffen: z. B. Risikogebiet, Quarantäne, keine Möglichkeit der Übermittlung über elektronische Medien.
    Weiter beizubringende Unterlagen sind bei deren Erhalt / Möglichkeit der Vorlage unverzüglich nachzureichen.

  9. In einigen Ländern oder Studierendenwerken stehen zur Unterstützung von Auszubildenden, die ihren (Neben-)Job pandemiebedingt verloren haben, Notfallhilfen zur Verfügung. Diese könnten auch Empfänger von Leistungen nach dem BAföG beantragen und bei Vorliegen der Voraussetzungen erhalten. Diese Darlehen fallen unter § 21 Abs. 4 Nr. 4 BAföG und sind demzufolge nicht als Einkommen im Sinne des BAföG zu betrachten. Als Kreditunternehmen im Sinne der BAföGVwV Tz 21.4.9 Buchstabe j gelten dementsprechend auch öffentliche Darlehensgeber, die Darlehen zur Sicherung der Ausbildung als Notfallhilfe im Rahmen einer Pandemie anbieten. Die Regelung ist für Notfallhilfe in Form von Zuschüssen entsprechend anzuwenden.

Die weitere Entwicklung des weltweiten Pandemiegeschehens ist dynamisch und selbst über einen kurzen Zeitraum von wenigen Wochen kaum vorhersehbar. Es ist daher nicht ausgeschlossen, dass daraus weiterer Klärungsbedarf zu förderungsrechtlichen Detailfragen entsteht (etwa hinsichtlich der Wiederaufnahme des Präsenzlehrangebots oder dessen verlängerter Unterbrechung an Ausbildungsstätten, hinsichtlich der Durchführung von Prüfungen und der Möglichkeiten, ins Ausland zu reisen oder von dort zurückzukehren). Soweit deshalb weitergehende Auslegungs- und Vollzugsvorgaben zum BAföG erforderlich werden, werden diese jeweils nach Bedarf kurzfristig und unbürokratisch getroffen.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung wird an dieser Stelle fortlaufend über neue Entwicklungen zur BAföG-rechtlichen Situation im Zusammenhang mit der COVID 19 Pandemie informieren, zwischenzeitlich geklärte Details zu berechtigten Fragen ergänzen und die Übersicht so jeweils aktuell halten.